Donnerstag, 18. August 2011

Der Accra-Song

Es war wie im Film.
Mitten in der Nacht, auf dem Weg zum Duesseldorfer Flughafen, sang Elton John sein Circle of Life aus dem Autoradio. Hintergrundmusik fuer ein Jahr Koenig der Loewen in einem Land, in dem ich gar keine Loewen sehen werde.

Der Abschied war kurz und schmerzlos. Ruth und ich nahmen uns an die Hand, ein letzter Blick und dann ging es los, das grosse Abenteuer, das fuer mich schon mit einem kleinen Abenteuer begann: Mein allererster Flug. Das erste Mal abheben, Wolken von oben sehen, wieder landen. Umstieg in Istanbul. Das zweite Mal abheben, die Sahara von oben sehen und wieder landen. In Accra. Das erste Mal auf das Gepaeck warten.
Auch das war wie im Film. Wie in einem schlechten Film, in dem alle anderen ihr Gepaeck bekommen, nur ich nicht.
Das erste Mal sich verstaendigen mit Menschen, die schnelles afrikanisches Englisch sprechen. Mein Rucksack hockt noch immer in Istanbul. Seit Montag. Heute ist Donnerstag. Eigentlich sollten wir schon lange in unserem neuen Heimatdorf Santrokofi sein. Eigentlich. Denn wir gehen jeden Tag hoffnungsvoll zum Flughafen, um wieder enttaeuscht zum Hotel zurueckzukehren. Davon koennen wir nun schon ein Lied singen.

Doch zum Glueck ist es so und nicht umgekehrt. Zum Glueck wartet mein Rucksack in Istanbul und nicht ich. Denn dann wuerde ich ihn darum beneiden, was er in all den Tagen in der ghanaischen Hauptstadt erlebt haette.
Den Markt, wo der Haarschneider neben dem Handyverkaeufer sitzt. Diese bunten Strassen mit den schnellen Autos, die zu ueberqueren schon ein Adrenalinakt ist. Diese Frauen und Maenner, die ihre zu verkaufenden Waren auf dem Kopf durch die Stadt tragen, Tomaten, Erdnuesse, Kochbananen. Die Atlantikkueste mit ihren hohen, salzigen Wellen. Die Kokosnuesse, diese echten Kokosnuesse, die ich gar nicht als diese erkannt hatte, weil ich unseren deutschen Supermaerkten ihre harten, hoelzernen Baelle mit der dicken, festen weissen Kruste innen drin abgekaufte.
So klingt der Accra-Song und wir singen ihn, bis mein Rucksack wieder auf meinem Ruecken sitzt.

3 Kommentare:

  1. Dort gilt also auch: schnell oder tot ;)
    in istanbul kann pierre aber sicher auch viel erleben. :)

    AntwortenLöschen
  2. Ich hab so sehnsüchtig auf die 1. Nachricht aus Ghana hier auf ghanagefluester.blogspot.com gewartet und endlich ist sie da (:

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem nächsten Gang zum Flughafen und hoffe, du wirst auf deinem Rückweg zum Hotel von deinem Rucksack begleitet (:

    Wie gefiel dir denn eigentlich das Fliegen?
    Hast du es gut vertragen? (:

    AntwortenLöschen
  3. Du Liebe,

    ich muss dir einfach mitteilen wie schön ich es finde, wie du schreibst. Ich hatte beim lesen das Gefühl selbst in Ghana zu sein und das obwohl ich doch hier selbst so viel neues erlebe. Ich kann übrigens genau nachvollziehen wie du dich ohne meinen Rucksack gefühlt hast- als ich in Managua angekommen bin war mein Koffer weg. Und mit meinem bisschen Spanisch war das unglaublich schwer zu klären. Aber Gott sei Dank sind sowohl dein Rucksack als auch mein Koffer (dem Madrid wohl ganz besonders gut gefallen hat) mittlerweile wieder da :)
    Ich freu mich darauf mehr zu hören
    Hanna

    AntwortenLöschen

Möchtest du etwas flüstern?